Nähanleitung: Einen Baldachin selbst nähen

Kennt ihr den Film „Liebe braucht keine Ferien“ mit Jude Law und Kate Winslet? Immer um die Weihnachtszeit überkommt es mich und ich muss diesen Film schauen! In einer Szene legt sich Jude Law mit seinen zwei Töchtern und Cameron Díaz unter einen wunderschönen Baldachin im Kinderzimmer – und da war es um mich geschehen – ich wollte in unserem Kinderzimmer ebenfalls ein Baldachinzelt haben. DCBBF961-FCF1-44F7-875E-53BBAD6E24B7

Schaut man sich auf Instagram oder Pinterest um, so hat man das Gefühl, dass jedes Kinderzimmer einen Baldachin haben muss und obwohl man diese bei verschiedenen Händlern bekommt, hatte ich mir das Projekt als allererstes Nähprojekt, abgesehen von Kleidung, vorgenommen. Gesagt, getan – Nähmaschine bei Mama ausgeliehen (sie steht 1,5 Jahre später immer noch hier, also die Nähmaschine, nicht die Mama) und Stoff gekauft. Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, jedoch viel Vorstellung und falls es euch ähnlich geht, erkläre ich hier wie mit ein wenig (besser viel) Stoff und ein bisschen Mathematik ein Baldachin entsteht.

Und wer jetzt denkt: „Bäh, Mathe konnte ich früher schon nicht!“, dem darf ich sagen: Das darf keine Ausrede sein, denn ein wenig Pi schadet nie und es ist nicht kompliziert. Und habt ihr euch früher nicht ständig gesagt, das blöde Rechnen mit Pi braucht ihr nie wieder? Ha, als hätte euer Mathelehrer es gewusst, irgendwann kommt die Zeit! Ja, ja, ich bin der Mathematik nicht abgeneigt, merkt man es?

Da es das erste Projekt war, ist es ein wenig ‚außen Hui, innen Pfui‘, denn ich habe viele Anfängerfehler gemacht, das Versäubern habe ich mir beispielsweise einfach gespart (Heute haue ich deswegen meinen Kopf auf den Tisch!), aber das bedeutet auch, dass es anfängertauglich ist und das ist doch auch was. Außerdem habe ich keine Entstehungsbilder, vor 18 Monaten habe ich noch lange nicht an diesen Blog gedacht, aber wir bekommen das schon hin. Schließlich gibt es trotz digitalem Zeitalter noch Bleistifte und Blöcke für Skizzen.

Was ihr braucht:

  • Einen Hula-hoop-Reifen (meiner hat einen Durchmesser von 73cm)
  • Zwei verschiedene Baumwollstoffe (weiß:  ca. 10 m; blau: 2 m; beides liegt bei 1,40 m Stoffbreite)
  • 8 Bänder à 25 cm
  • Taschenrechner

 

Anleitung:

Sollte euer Reifen einen anderen Durchmesser haben, dann ändern sich natürlich auch die anderen Werte. Ich schreibe hier einfach meine Rechnungen auf und markiere die Stellen rot, an denen ihr die Zahl eures Durchmessers eingeben müsst.

I. Die Bordüre

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Um die Länge der Bordüre zu ermitteln, benötigt man den Umfang des Reifens. Der Umfang ist die Länge einmal außen herum.

Ihr habt also zwei Optionen, entweder ihr nehmt ein Maßband und legt es um den Reifen herum, oder ihr messt den Durchmesser und berechnet den Umfang. Auf dem Bild kann man die Rechnung sehen, es ist wirklich ganz leicht!

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Der Umfang meines Reifens beträgt 229,3 cm, die Bordüre muss also etwa 232 cm lang werden, da wir aufrunden und auf beiden Seiten Nahtzugaben benötigen. Ich wollte als Bordüre eine Art Wimpelkette, habe mir auf dickem Papier eine Vorlage für die Dreiecke gemacht und die Stoffbahnen zwei Mal zugeschnitten.

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Maße der Dreiecke
  1. Die obere Kante versäubern
  2. Die beiden Stoffstreifen werden rechts auf rechts an den Dreiecken zusammengenäht, die obere Kante muss nicht vernäht werden. Schneidet anschließend die Spitzen der Dreiecke um 3 mm innerhalb der Nahtzugabe zurück, das vereinfacht das Wenden. Aber bitte nicht in die Naht schneiden! AC97682F-FFE8-4F10-8D08-4FB489C52C03
  3. Anschließend wenden und bügeln.

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II. Eine Aufhängung

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Näht aus dem Stoff des Zeltes zwei Stoffstreifen als Gurt für die Aufhängung. Mein Streifen ist 5 cm breit (inklusive Nahtzugabe) und 40 cm lang. Wie lang er sein soll, ist aber abhängig von eurer Zimmerhöhe und wie hoch der Baldachin hängen soll. Schneidet lieber länger zu und kürzt später.

  1. Näht beide Streifen rechts auf rechts an den langen und einer kurzen Kanten zusammen.
  2. Wendet den Streifen mit Hilfe einer Sicherheitsnadel.
  3. Bügelt ihn glatt

 

III. Das Zelt

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Der Umfang ist mit 229,3 cm bekannt (rundet besser immer auf, bei mir also gilt daher u = 230 cm) und soll die Basis für 8 gleich große Dreiecke bilden.

230 : 8 = 28,75 cm

Mit Aufrunden und Nahtzugabe hat ein Dreieck die Basis von 31 cm. Um eine schöne Höhe zu erreichen, würde ich etwa 3/4 des Durchmessers nehmen. Das sind bei mir 54,75 cm.

Damit die Dreiecke einen schönen Schwung erhalten, kann man sie leicht kurvig zuschneiden.

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  1. Die Basis versäubern.
  2. Die Dreiecke aneinander nähen.
  3. Bevor ihr die letzten beiden Dreiecke zum Kreis vernäht, legt den Streifen zur Aufhängung an die Spitze, so dass er oben aus dem Zelt hinausschaut. Näht ein paar Mal darüber, so dass er fest vernäht ist.

(Ich habe das bei meiner Version vergessen (Kopf auf Tisch, ihr kennt das) und habe den Streifen mit Sicherheitsnadeln befestigt. So ist es zumindest ganz individuell…)

 

 

IV. Der Vorhang

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Die Länge des Vorhangs ist abhängig von der Höhe des Zimmers und wie viel auf dem Boden liegen darf. Bei uns liegt ganz viel Stoff herum, ich wollte mir alle Möglichkeiten offen lassen, daher ist der Vorhang 3,70 m lang.

Für den Vorhang habe ich ein Stoffrechteck benötigt, das 2,90 m breit und 3,70 m lang war, 2,90 m damit ich genügend Stoff habe, um ihn in Falten zu legen. Natürlich musste ich die Bahnen stückeln und aneinander nähen. Versäubert vorher die Kanten, dann sieht es schöner aus, als bei mir!

 

V. Das Zusammennähen

Eines vorweg, ich habe den Hula-Hoop-Reifen mit Bändern am Stoff befestigt und musste so natürlich „nur“ die drei Stoffstücke (Bordüre, Zelt und Vorhang) aneinander nähen.

Dies habe ich in zwei Schritten gemacht.

  1. Die Bordüre wird auf das Zelt gelegt und rechts auf rechts zusammengenäht. Das funktioniert nicht einwandfrei, aber man muss an dieser Stelle auch nicht super exakt arbeiten.
  2. Anschließend wird der Vorhang ebenfalls auf etwa dieser Naht, rechts auf rechts an die beiden anderen Teile gelegt. Vergesst nicht, immer wieder kleine Falten einzubauen, damit er später schöner fällt. Verteilt den Stoff einigermaßen gleichmäßig und näht ihn fest.

Der Baldachin ist beinahe fertig.

Im Inneren habe ich nun an jedem Dreieck ein Band angenäht, so dass ich den Reifen daran festbinden konnte.

Mein Mann hat den Baldachin dann an einem Haken aufgehängt und seitdem hängt er da.

Und wie findet es die Kleine?

Wenige Wochen und Monate nach der Geburt hat sie vor allem das Muster bestaunt, später mit den Füßen den Vorhang weggestrampelt und heute ist es unser Versteck und die Lese- und Kuschelecke. Und ganz manchmal schlafen wir auch darunter! Es hat sich also wirklich gelohnt.

 

Viel Spaß beim Nachmachen. Falls ihr Fragen habt, schreibt mir! Ich möchte hier ganz klar erwähnen, dass ich alle Menschen die Schnittanleitungen schreiben, sehr bewundere und diese hier hoffentlich einigermaßen verständlich ist.

Hochachtungsvoll,

Stehsternchen

 

Verlinkt bei Kiddikram und HoT

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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